Episode 3: Ein gemalter Tatort – Udo Wachtveitl ermittelt im Mordfall Kilian

Ein gemalter Tatort – Udo Wachtveitl ermittelt im Mordfall Kilian Neu:gierig im Museum

Worum geht’s?

Hört hört, eine Sonderfolge! Als Schauspieler im Münchner „Tatort“ hat Udo Wachtveitl (alias Kommissar Franz Leitmayr) Erfahrung im fiktiven Ermitteln. Zwei Gemälde aus dem 15. Jahrhundert erzählen die Geschichte eines Dreifachmordes. Wir beginnen am Ende, bei der Auffindung der Leichen des heiligen Kilians und seiner Gefährten. Udo Wachtveitl findet Hinweise auf die Identität der Toten, strauchelt nur kurz bei der Feststellung der Todesursachen und überführt schließlich Mörder und Auftraggeberin. Eine gute Spürnase hat er, auch für Bilder! Das kunsthistorische Wissen kommt diesmal von uns Begründern des Podcasts, Ilka Mestemacher und Marius Wittke. Wir danken dem Bayerischen Nationalmuseum für den Zugang zur Sonderausstellung „Kunst & Kapitalverbrechen“ und Herrn Wachtveitl für seine tatkräftige Unterstützung!

Was steckt hinter dem Mord an Kilian und wie sind die Gemälde entstanden?

Der Ire Kilian ist im 7. Jahrhundert auf Mission in Franken, gemeinsam mit seinen Gefährten Kolonat und Totnan. Ziel der Mission: Bekehrung der Heiden zum Christentum. Im Kampf für die Sache kommen die drei gewaltsam zu Tode und werden somit zu Märtyrern, zu Heiligen, die für ihren Glauben sterben. Die Heiligenlegende erzählt von einem verhängnisvollen Treffen in Würzburg, wo Kilian etwas gegen die „Schwagerehe“ zwischen Herzog Gozbert und Gailana einzuwenden hat. Was das Problem ist und welche Rolle ein Pferdestall, ein Blinder und drei Dämonen spielen, erfahrt ihr im Podcast.

Wir betrachten zwei Gemälde, die ursprünglich Teil eines großen Altaraufsatzes mit weiteren Szenen waren. Man kann sich einen mehrere Meter messenden Comic vorstellen, nur ohne Sprechblasen. Der Altar hatte seinen Platz in der Johanneskirche im fränkischen Schlüsselfeld. Seine Bilder sind heute auf verschiedene Museen verteilt. Gemalt wurden sie in der Werkstatt des Wolfgang Katzheimer in der Zeit um 1480 herum.

Wo kann man sich die Gemälde anschauen?

Bis zum 1. August 2021 läuft die Sonderausstellung „Kunst & Kapitalverbrechen“ im Bayerischen Nationalmuseum in München. Danach gehen die zwei Tafeln des Schlüsselfelder Altars zurück nach Würzburg ins Museum für Franken (wo sie als Dauerleihgabe des Nationalmuseums stehen).

Ilka und Marius in der Ausstellung „Kunst & Kapitalverbrechen“ im Bayerischen Nationalmuseum

Wo kann man noch mehr darüber erfahren?

Diese und weitere Darstellungen des heiligen Kilian enthält der Katalog zur Ausstellung:

Ausst.-Kat. Kunst & Kapitalverbrechen. Veit Stoß, Tilman Riemenschneider und der Münnerstädter Altar (Bayerisches Nationalmuseum, München), hg. v. Frank Matthias Kammel, München 2020.

Die verschiedenen Überlieferungen der Kilianslegende sind in diesem Buch versammelt:

Der heilige Kilian. Regionarbischof und Martyrer, historisch-kritisch dargestellt von Franz Emmerich, Würzburg 1896. Online im Internet Archive.

2 Kommentare zu „Episode 3: Ein gemalter Tatort – Udo Wachtveitl ermittelt im Mordfall Kilian

  1. Dass mit Gemälden ganze Geschichten von Morden erzählt werden können, ist sehr faszinierend. Doch was die meisten Menschen nur in Serien, Filmen oder Kunstwerken zu sehen bekommen, gehört zu den alltäglichen beruflichen Aufgaben eines Tatortreinigers. Dabei ist anzumerken, dass Tatorte in der Realität kaum etwas mit solchen aus Krimifilmen zu tun haben.

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    1. Liebe Verena,

      ganz herzlichen Dank für deinen berechtigten Einwand, umso schöner, dass dieser von einer Fachfrau kommt. Besonders beim Mord an Kilian wird deutlich, wie surreal ordentlich und sauber der Tatort trotz des Durcheinanders und des vielen Blutes erscheint. Diese Diskrepanz müssen wir Kunsthistoriker:innen uns immer wieder vor Augen führen, da wir es in den Gemälden natürlich mit einer ganz besonders künstlerischen Ästhetik zu tun haben. Schön, dass dich das Berufliche trotzdem auch in der Kulturgeschichte zu faszinieren vermag und du hoffentlich auch Freude an „Tatort“, „Tatortreiniger“ und Co. findest.

      Liebe Grüße,
      Ilka Mestemacher und Marius Wittke

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