Episode 6: Ein tödliches Folterwerkzeug? Die Eiserne Jungfrau

Ein tödliches Folterwerkzeug? Die Eiserne Jungfrau Neu:gierig im Museum

Worum geht’s?

Wer kennt ihren Namen nicht: die Eiserne Jungfrau. Auf ihrer Spur begibt Marlene sich in das idyllische Städtchen Rothenburg ob der Tauber. Im weniger idyllischen, aber spannenden Mittelalterlichen Kriminalmuseum trifft sie Anja Bergermann, die so einiges über besagte Maid weiß. Die Eiserne Jungfrau besteht aus einem mit Metall verkleidetem Holzmantel, den das Gesicht einer Frau bekrönt. Der Hohlraum im Inneren bietet Platz für eine stehende Person – und ist mit eisernen Dornen gespickt. Ein grausames Folterinstrument, bestimmt für die Verbrechensbestrafung. Doch etwas stimmt nicht ganz. Anja geht der Herkunft der Figur nach und betätigt sich für uns als MythBuster. Und dabei deckt sie einen ganz anderen Akt krimineller Energie auf: Geschichtsfälschung und Betrug! Nebenbei begegnen wir in dieser Folge Michael Jackson, dem Dracula-Autoren Bram Stoker und der Heavy-Metal-Band Iron Maiden.

Die „Eiserne Jungfrau“ im Mittelalterlichen Kriminalmuseum, in Gesellschaft von Marlene und Anja
Eine Kopie der „Eisernen Jungfrau“ erlaubt den Blick ins Innere.

Wie ist die Eiserne Jungfrau entstanden und wer steckt dahinter?

Im Inneren der Jungfrau aufgespießt zu werden, das klingt nach einer Strafmethode vergangener Zeiten. Doch wird ihr Einsatz weder in Folterprotokollen noch in Todesurteilen erwähnt. Dingfest machen kann man die Eiserne Jungfrau erst Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Figur in einer Folterausstellung in Nürnberg auftaucht. Und Tatsache, die Spitzen im Inneren sind nicht viel älter: Sie stammen von französischen Tüllenbajonetten. Wer weiß, was das ist, darf sich auf die Schulter klopfen; wir kannten den Begriff nicht. Das Bajonett ist eine Stichwaffe, die man an der Tülle, also an dem Lauf einer Schusswaffe befestigen kann. Und in diesem Fall kommen diese Tüllenbajonette aus der Zeit der Befreiungskriege gegen die französische Besatzung: 1813 bis 1815. Also eine junge Jungfrau – aber doch nicht ganz: Der Holzkern lässt sich dank technologischer Untersuchungsmethoden in das 14. oder 15. Jahrhundert datieren.

Aus den Fakten leitet sich folgendes Szenario ab: Im späten Mittelalter könnte die Eiserne Jungfrau bei Ehrenstrafen eingesetzt worden sein, indem Angeklagte für eine gewisse Zeit in ihr eingesperrt (jedoch nicht aufgespießt) wurden. Erst Jahrhunderte später erhielt sie nachträglich Dornen. Historiker:innen haben einen Verdacht, wer dahinter steckt: der Nürnberger Altertumssammler Georg Friedrich Geuder, der die Eiserne Jungfrau ab 1857 in seiner Folterausstellung zeigte. Sie war ein Publikumsmagnet. Das eigentliche Verbrechen in dieser Episode ist also Geschichtsfälschung!

Wo kann man sich die Eiserne Jungfrau ansehen?

Das Mittelalterliche Kriminalmuseum im fränkischen Rothenburg ob der Tauber ist Europas größtes Museum für Rechtskunde. Die Eiserne Jungfrau hat dort ihren Platz in der Dauerausstellung, zusammen mit einem Nachbau, der den Blick ins Innere erlaubt. Es handelt sich um das einzig lokalisierbare originale Exemplar einer Iron Maiden!

Wo kann man noch mehr darüber erfahren?

Von der Eisernen Jungfrau des Kriminalmuseums erzählt Direktor Markus Hirte in einem Blogbeitrag.

Über die Legende der Eisernen Jungfrau im 19. Jahrhundert berichtet Frank Patalong im Spiegel.

Für’s Buchregal eignet sich:

Wolfgang Schild: Die Eiserne Jungfrau. Dichtung und Wahrheit, Rothenburg o. d. Tauber 1998 (Schriftenreihe des Mittelalterlichen Kriminalmuseums Rothenburg o. d. Tauber, Bd. 3).

Fabian Pleiser: Nürnberg, Schneverdingen 2019. Dieser Band beinhaltet Bram Stokers Geschichte „Die Squaw“ sowie zwei Aufsätze, die sich mit der Entstehung dieser Erzählung und mit dem Mythos und der Realität der Eisernen Jungfrau befassen.

2 Kommentare zu „Episode 6: Ein tödliches Folterwerkzeug? Die Eiserne Jungfrau

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