Episode 7: Eine Hochstaplerin in München – die Bank der Adele Spitzeder

Ein Erinnerungsort für Zwangsarbeiter:innen – Das Lager in Neuaubing Neu:gierig im Museum

Worum geht’s?

»Kalbsköpfe, ich sage Euch rundheraus, daß ich keine Sicherheit für Euer altes Geld gebe! Ich habe Euch Pack nicht gerufen!“, so Adele Spitzeder. Ein selten ehrlicher Moment. Durch Lug und Betrug baute Spitzeder in den Jahren um 1872 mitten in München eine Privatbank auf, die schließlich 38 Millionen Mark Schulden bei insgesamt ca. 32.000 Gläubiger:innen verzeichnete. Im Münchner Stadtmuseum erzählt Susanne Glasl vom Schneeballsystem der Schwindelbank, vom unangepassten Lebensstil der Hochstaplerin und davon, wie alles schließlich zusammenbrach.

Susanne und Marlene vor dem Münchner Stadmuseum

Wie ist die „Dachauer Bank“ entstanden und wer steckt dahinter?

Völlig abgebrannt schlägt die Schauspielerin Adele Spitzeder (1832–1895) im Alter von 36 Jahren in München auf. Im Frühjahr 1869 leiht ihr ein befreundeter Zimmermann Geld, das sie mit 10% Zinsen zurückzahlt. Über Mundpropaganda spricht sich der Deal herum und Spitzeder nimmt zunehmend kleine Geldsummen von Nachbar:innen an. Bald legen einige Gläubiger:innen – aus ganz Bayern, aber besonders aus Dachau – ihre gesamten Ersparnisse bei der bodenständig erscheinenden Frau an. Bis sich schließlich die etablierten Banken gegen die unlautere Konkurrenz wehren…

Anonym, Die Dachauer Schwindelbank in ihrem höchsten Glanze, 1872
Druckgrafik, ca. 43 x 34,7 cm
Münchner Stadtmuseum, G-P1669

Wo kann man sich die Karikaturen und Portraits von Adele Spitzeder ansehen?

Susanne hat für den Podcast einige zeitgenössische Karikaturen und zwei Portraits zusammengesucht, die ein gutes Bild vom Erscheinungsbild und der öffentlichen Rezeption der Betrügerin geben. Sie alle gehören zur Sammlung Graphik und Gemälde des Münchner Stadtmuseums. Dort sind sie nicht dauerhaft ausgestellt, können aber nach Terminvereinbarung eingesehen werden.

  • Anonym, „Spitzeders Traum auf ihrem Krankenbette. – Motto: Ein böses Gewissen, Ein schlechtes Ruhekissen!“, Verlag der I. Centralzeitungs-Expedition, 1872, Druckgrafik, G-P1670
  • Anonym, „Mit Speck fängt man Mäuse, – oder – Eröffnung der Volksküche durch Adele Spitzeder“, Verlag der I. Centralzeitungs-Expedition, 1872, Druckgrafik, G-P1666
  • Anonym, „Die Dachauer Schwindelbank und ihr Ende“, 1872, Druckgrafik, G-P1671
  • Anonym, „Hauderschafte Morithat der Dachau-Zwikkauer-Bank“, 1872, Druckgrafik, G-P1668
  • Anonym, „Die Dachauer Schwindelbank in ihrem höchsten Glanze“, 1872, Druckgrafik, G-P1669
  • Unbekannt, Porträt Adele Spitzeder, Visitenkarte, Fotografie nach Lithografie (?), um 1900, G-Re10000
Anonym, Die Dachauer Schwindelbank und ihr Ende, 1872
Druckgrafik, ca. 42,8 x 34,8 cm
Münchner Stadtmuseum, G-P1671

Wo kann man noch mehr darüber erfahren?

Spitzeders Biographie:
Adele Spitzeder: Geschichte meines Lebens (Historische Originaltexte zur Geschichte Münchens), München 1996, Nachdruck der Erstausgabe von 1878.

Sachliteratur:
Julian Nebel: Adele Spitzeder – der größte Bankenbetrug aller Zeiten, München 2018.
Armin Strohmeyer: Geheimnisvolle Frauen. Rebellinnen, Mätressen, Hochstaplerinnen. 12 Porträts, München/Zürich 2015, S. 129–151: Kapitel „Adele Spitzeder (1832-1895). „Das Geldmensch“.

Spielfilme (Susanne empfiehlt den von 1972):
„Adele Spitzeder“, 1972, Regie: Peer Raben, Hauptrolle: Ruth Drexel, im Auftrag des Westdeutschen Fernsehen → Filmportal
„Die Verführerin Adele Spitzeder“, 2012, Regie: Xaver Schwarzenberger, Hauptrolle: Birgit Minichmayr, im Auftrag des Bayerischen Rundfunks → BR

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