Episode 8: Ein Erinnerungsort für Zwangsarbeiter:innen – das Lager in München-Neuaubing

Eine neue Staffel und ein neues Thema Neu:gierig im Museum

Worum geht’s?

Zwangsarbeit – für uns ist eine solche Verletzung der Menschenrechte nur schwer vorstellbar. Doch in München war während des Zweiten Weltkriegs etwa ein Viertel der Stadtbewohner:innen in Zwangsarbeit, darunter sogar Kinder. Wo und wie diese Menschen lebten, erklärt Kristina Tolok vom NS-Dokumentationszentrum. Sie nimmt uns mit auf einen Rundgang durch das ehemalige Zwangsarbeiter:innen-Lager in München-Neuaubing und erzählt von dessen Bewohner:innen, von der 6 Monate alten Nina bis zur 82-jährigen Emilia.

In Baracken wie diesen lebten die Zwangsarbeiter:innen in Neuaubing.
Fotos links & rechts oben © NS-Dokumentationszentrum München, Jens Weber
Foto rechts unten © NS-Dokumentationszentrum München, Orla Conolly

Wie ist das Arbeitslager in Neuaubing entstanden und wer steckt dahinter?

Der „Gegenstand“ dieser Podcast-Folge hat eine stattliche Fläche von etwa 24.000qm und liegt in der Ehrenbürgstraße in München-Neuaubing. Noch heute stehen hier acht Baracken. Das Lager wurde im Frühjahr 1942 eröffnet, obwohl die offizielle Baugenehmigung erst 1943 kam – nicht unüblich in Kriegszeiten. Das Gelände gehörte früher zur Deutschen Reichsbahn, die in der Nähe ein sogenanntes Reichsausbesserungswerk (kurz RAW) betrieben hat. Über die Hälfte der Belegschaft des RAW waren Zwangsarbeitende. Als staatliches Unternehmen unterstand die Bahn dem nationalsozialistischen Regime. Die Zwangsarbeiter:innen stammten aus 15 Nationen, darunter bspw. Deutschland, die Niederlande, Frankreich und Polen. Die Nationalsozialist:innen hatten in den besetzten Gebieten Anwerbebüros errichtet und versprachen Arbeit in Deutschland. Die Realität für diese „Fremdarbeiter“ (wie sie verharmlosend genannt wurden) war die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft und das extrem beengte Dasein in Lagern.

Kristina und Marlene spüren den Münchner Arbeitslagern im NS-Dokumentationszentrum nach.

Kann man sich das Arbeitslager ansehen?

Das Gelände des ehemaligen Lagers in Neuaubing wird zur Zeit als Erinnerungsort aufbereitet und ist eine Zweigstelle des NS-Dokumentationszentrums. Die Eröffnung ist für 2025 geplant, schon jetzt werden Führungen angeboten.

Wo kann man noch mehr darüber erfahren?

Über den geplanten Erinnerungsort „Ehemaliges Zwangsarbeit:innen-Lager Neuaubing“ könnt ihr auf der Homepage des NS-Dokumentationszentrums nachlesen. Im NS-Dokumentationszentrum selbst findet ihr ebenfalls Infos – bei freiem Eintritt! Außerdem ist gerade das digitale Geschichtsprojekt „Departure Neuaubing – European Histories of Forced Labor“ im Entstehen.

Für die Bücherwürmchen unter euch gibt es

  • speziell zu Neuaubing einen umfangreichen Sammelband des NS-Dokumentationszentrums: Zwangsarbeit in München. Das Lager der Reichsbahn in Neuaubing, hg. von Winfried Nerdinger, München 2018
  • allgemeiner zu Zwangsarbeit eine Monographie: Mark Spoerer, Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz. Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Dritten Reich und im besetzten Europa 1939–1945, Stuttgart 2001

Zum Weiterhören empfiehlt Kristina eine Folge des Podcasts X3 über „Ostarbeiter:innen„, zu hören auf podcaster.de.

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